Monogamie: Paarbeziehungen auf dem Prüfstand

monogamieDiese Woche erschien auf Cicero ein Beitrag, der mit einer 10-Punkte-Beweisführung von Buchautorin Christiane Rösinger dem Mythos Monogamie zu Leibe rückt. Ein wichtiger Beitrag, weil er große Fragen des häufigen Scheiterns unserer monogamen Beziehungskultur aufwirft. Ein Blick in die Vergangenheit der Beziehung ist erhellend.

Was ist Monogamie und was Beziehung?

Monogamie im historischen Kontext:
Zieht man Wikipedia zu Rate, so geht es bei Monogamie ausschliesslich um eine lebenslange biologische Fortpflanzungsgemeinschaft. Liest man dort weiter, so ist die Monogamie in der menschlichen Kulturgeschichte der letzten 100.000 Jahre eher eine Seltenheit. Erst der Ackerbau brachte eine Trendwende von Polygynie zur Monogamie. Spannend ist der Trend „serieller Monogamie“ der letzten Jahrzehnte. Ein Faktum jedenfalls ist, dass die heutige monogame Beziehungskultur vieler Gesellschaften sehr stark durch religiöse und/oder staatlich subventionierte und sanktionierte Maßnahmen entstanden sind und untermauert werden. Will man ein nüchternes Fazit zur Institution Ehe ziehen, so kann man Frau Rösinger gezwungenermaßen leider nur zustimmen.

 

(Liebes-) Beziehung im historischem Kontext

Noch aufregender ist die Wortherkunft der Beziehung (auch re-lation). Beziehung kommt von sich auf etwas zu „Be-Ziehen„.  Dieser Gedankengang führt zu weit weg, daher zurück zum Zusammenhang mit der Monogamie und der Liebesbeziehung, die im 18. Jahrhundert in die Zweckgemeinschaften zurückliegender Jahrtausende Einzug hielt. Die alten Vernunftsbeziehungen dienten scheinbar einem Zweck: Die Vermeidung tödlicher Geschlechtskrankheiten. Die Erfindung des Kondoms (siehe Wikipedia) ermöglichte die sexuelle Lockerung und stellt die Menschheit vor neue zivilisatorische Herausforderungen in Beziehungen. Von da an laufen biologische Monogamie und frei gewählte Liebesbeziehungen im Bund der Ehe zusammen.

 

Wer sieht sich als Beziehungsprodukt seiner Vorfahren?

Auf genetisch/theoretischer Ebene ist uns das total klar. Ein bis zwei Generationen gelingt es uns auch sich als kulturelles Beziehungsprodukt der Vorfahren zu betrachten. Aber spätestens beim 2. Weltkrieg in dem Zucht, Ordnung und Gehorsam unsere Beziehungskultur prägten ist Schluss mit lustig. Schliesslich haben wir uns mit den 68er emanzipiert, die freie Liebe propagiert, Sexualität als Inhalt in die Lehrpläne integriert, Frauenquoten erschaffen, Karenz für Väter ins Leben gerufen u.v.m.! Mit der Beziehungsvergangenheit unserer Urahnen haben wir nichts mehr gemeinsam, meinen wir. Sind wir nicht das genetische Ergebnis vom Einzeller zum Vielzeller, der schon in sich ein komplexes Beziehungsgeflecht ist? Jedenfalls wäre es wichtig für unser Beziehungsselbstverständnis wenn wir uns trauen würden systemisch weiter zurückzuschauen, als wir es heute tun.

 

Was machen wir aus der Sehnsucht nach Beziehungen?

Das beantworten die 10 Pärchenlügen leider nicht. Dort erwähnte Dating-Portale wie UnitePartner, Heerscharen an Beziehungsberatern, Psychologen usw. machen klar, dass es sie gibt. Auch zeigt Cicero keinerlei Weg auf, was uns die Sehnsucht nach Beziehungen Mit-Menschen für Chancen bietet. Die Erkenntnis, dass wir wie jedes andere Lebewesen auf unserem Planeten in vielfältigsten sozialen Beziehungen stehen ist der erste Schritt. Dass nichts von dem was wir tun losgelöst vom großen Ganzen möglich ist, zeigt uns nicht zuletzt die Globalisierung und Transparenz des Internets.

 

Am besten wir schauen den Herausforderungen ins Gesicht:

  1. Anerkennen, dass wir Beziehungswesen mit Bedürfnissen sind
  2. Anerkennen, dass es so viele Beziehungsformen wie Individuen gibt
  3. Anerkennen, dass die Eine richtige Beziehungsform nicht existiert
  4. Lernen, dass wir in einer Zeit leben, wo jeder Beziehungsgestalter ist
  5. Lernen, dass wir anderen nicht nicht vorschreiben wie Beziehung aussieht
  6. Lernen, dass wir unser Beziehungsbild verwandeln können

Möglich ist dies wahrscheinlich nur dann, wenn wir uns erlauben weit in unsere Primatenahnenreihen zurückzuschauen. Dann werden wir erkennen, dass wir schon immer sowohl zu Monogamie, Polygynie, Homogamie oder Heterogamie fähig waren und wir erstmalig in einer Zeit leben, in der wir uns die Art der Partnerwahl selber aussuchen können. Das ist sicher auch ein Grund, warum wir so in Beziehungsverwirrung sind. Aber genau darin liegt eine der großen Chancen unserer Zeit.

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